Mittwoch, 27. November 2013

KWL: 2.1 Welche Art?

...nun schauen wir mal auf was man alles achten muß, wenn man eine KWL haben möchte:

2. Was beachten?

Vorne weg:
Eine KWL ist kein Hexenwerk.
Alles was man dazu wissen muß ist für die meisten von uns recht leicht verständlich, nachvollziehbar.


2.1 Welche der versch. KWL-Typen ist die richtige?

Für mich ist die Antowrt schon klar ...aber hier mal ein paar versch. Systeme trotzdem abgehandelt.


2.1.1 einzelne Abluftanlage          weitere Info...

Diese wird z.B. in Toiletten ohne Fenster verwendet.
Sie saugt die belastete Luft ab (ähnlicher einer Dunstabzugshaube).
Es muß Luft aus den angrenzenden Räumen (Flur) nachströmen können.

So eine Anlage ist eine Notlösung* und sollte nur zeitweise benutzt werden, z.B. während der Nutzung der Toilette und bis ca. 15 Minuten danach (Nachlaufsteuerung).

*Hintergrund:

Es wird ein Unterdruck im Raum und in der ganzen Wohnung erzeugt, welcher durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle wieder ausgeglichen werden muß. In der Praxis wird Luft durch Öffnungen wie der Abluft-Dunstabzugshaube, dem Kaminofen oder evtl. gekippten oder undichten Fenstern "rein gezogen".

Teils ist dies nicht als sonderlich hygiensich zu betrachten (Dunstabzug) und teils sogar als gefährlich: Schwelt es im Ofen, dann wird hier hochgefährliches Kohlenmonoxid (CO) in den Raum gezogen - es droht akute Erstickungsgefahr! (Achtung! CO ist geruchslos und wird somit normal nicht bermerkt.)

Abhilfe kann man hier schaffen, wenn eine Steuerung verhindert, daß die Abluftanlage läuft ohne daß für eine ortsnahe und ausreichende Zuluft gesorgt wird. Das könnte z.B. ein Zuluftventil im gleichen Raum mit der Abluft-Absaugung (also meist WC od. Bad) sein, oder aber auch ein Fensterkontaktschalter, so daß die Lüftung nur läuft wenn das Fenster gekippt oder geöffnet ist.

Keine Abhilfe - aber evtl. eine rechtzeitige Warnung kann ein CO-Alarm verschaffen.
Solch ein Gerät bekommt man schon ab ca. 40€ in guter Qualität.
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Schon komisch: Wer denk schon an eine Lüftungsanlage als Grund für Erstickungsgefahr?

Vorteile:
Geringer Installationsaufwand.
Ein sonst recht intensiv "riechendes" WC kann entlüftet werden ohne daß der Geruch in den Flur geht.


2.1.2 zentrale Abluft mit dezentraler Zuluft         weitere Info...

Hier wird an ein oder mehreren Stellen Luft abgesaugt (üblicher weise Küche, Bad, WC, ggf. Technik-/Hauswirtschafts-raum).

Das Nachströmen der Luft wird nicht dem Zufall überlassen, sondern es werden in Wand oder Fensterrahmen Öffnungen gegen außen eingebracht, welche üblicherweise mit einem Filter und einer Justiermöglichkeit zur Einstellung der Luftmenge versehen sind.

Auch das ist nur eine absolute Notlösung*, wenn es ohne mechanischer Lüftung nicht geht.
In Neubauten geht sowas - meiner Ansicht nach - gar nicht!
Man kann nicht die Wände gut dämmen, hochdichte Fenster einbauen ...und dann "Löcher in die Wand machen" durch die kalte Luft einströmt!?!

*Hintergrund:
Die über die Außenwandventile nachströmende Luft ist Außenluft und somit ebenso kalt.
Eine Regulierung der (richtigen) Luftmenge pro Raum ist nur sehr schwer möglich ...schon eine offene Tür bringt die Luftmengen durcheinander.

Die Erstickungsgefahr wie unter 2.1.1. genannt ist weiterhin gegeben, wenn auch bei freigängigen Zuluftventilen stark vermindert.
Ich rate deshalb hier unbedingt zu einer Unterdrucküberwachung in Räumen mit Kaminofen, etc.
Also einem Sensor/einer Steuerung welche einen Unterdruck erkennt und die Lüftungsanlage dann abschaltet.                
                                   Info: Luftdruckwaechter                        weitere Info...


Variante zu 2.1.2             weitere Info...

Die Abluft kann auch über eine Abluftwärmepumpe gehen, wo dieser Wärme entzogen wird und für die Warmwasserbereitung genutzt.
Das könnte man dann auch als Warmwasser-Wärmepumpe bezeichnen, nur daß diese eben nicht einfach einem Raum Luft und Wärme entzieht, sondern gezielt in den "belasteten Feuchträumen" (Küche, Bad, WC, etc.) ansaugt.


2.1.3 zentrale Zu- und Abluft           weitere Info...

Hier wird jeder Raum passend bezügl. nötiger Zu- und Abluft ver-/entsorgt. Es gibt ein Zentralgerät - meist mit Wärmetauscher - und Zu- und Abluft-Kanäle u. -Ventile.
Für Neubau und Generalsanierung sehe ich dies als "einzig-beste" Lösung.

Dieses System kostet etwas mehr wg. der zusätzl. Verrohrung und des etwas aufwändigeren Gerätes. Aber es bringt auch mehr Nutzen und Komfort.

Vorteile u.a.:
- paßgenaue Regulierung möglich für eine individuelle/ideale Durchlüftung
- geringste Geräuschbelastung ("null Geräusche" durchaus machbar!)
- sehr effektive Wärmerückgewinnung (meist serienmäßig)
- zentrale Luftvorwärmung möglich (mit versch. Systemen)
- maximaler Komfort (keinerlei "kalte Zonen", etc.)
- Einsatz einer Feuchterückgewinnung / -regulierung möglich

Nachteile u.a.:
- höherer Invest (hält sich aber vor allem bei Rohrverlegung in Eigenleistung stark in Grenzen)
- schlechtere Nachrüstbarkeit in Bestandsbauten
- wenn schlecht gewartet wird: hoher Reinigungsaufwand ...aber das kann man ja vermeiden

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TIPP:

Ich rate zu genauer dieser Type, also zur

zentralen Zu- und Abluft-Anlage
mit Wärmerückgewinnung.
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2.1.4 dezentrale KWL                  weitere Info...

Bei diesem System wird in jeden zu belüftenden Raum ein kleines Lüftungsgerät installiert. Es gibt wandhängende Aufputzgeräte, Geräte die man am Fenster installiert und auch kaum sichtbare Geräte welche in einem Wanddurchbruch (z.B. Kernbohrung) installiert werden.

Diese Geräte haben Abluft- und Zuluft-Funktion und meist einen Wärmetauscher integriert.
Teils wird zugleich Abluft rausgeblasen und frische Zuluft in den Raum eingebracht ...z.B. über einen Kreuzwärmetauscher. Andere Systeme arbeiten mit einem Wärmespeicher, dieser wird beim Abführen der warmen Abluft erwärmt, dann wird die Blasrichtung des Ventilators umgeschalten und kalte Außenluft gelangt durch den erwärmten Speicher als vorgewärmte Zuluft in den Raum.

Vorteile u.a.:
- keine aufwändige Verrohrung nötig => einfacher nachzurüsten
- bedarfsgerechte Einstellung möglich

Nachteile u.a.:
- bei einigen Geräten die optische Beeinträchtigung
- mehr oder weniger Geräusche im Raum (Luftgeräusche, Umschaltvorgang, Geräusche von außen)
- häufigerer Filterwechsel (bzw. Reinigung) nötig wg. eher kleiner Filteroberfläche
- kein Erdwärmetauscher und keine zentrale Vorerwärmung möglich

PS: Die oft propagierte "günstigere Kostenseite" ist - bei einer an eine zentrale KWL in gleichmäßigem Luftwechsel u. Komfort heranreichende Auslegung - nicht wirklich vorzufinden.
Das liegt vor allem an der nötigen Anzahl der Geräte, den dazugehörigen Arbeiten, Leitungen, Steuerungen, etc.
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Natürlich gibt es noch ein paar weitere Varianten, die ich aber vorerst noch nicht alle hier aufführen möchte ...gerne aber auf Eure Anregung hin.

Zu der zentralen/dezentralen Konzepte gibt es hier eine schöne Gegenüberstellung: Vergleich RLT-Anlagen
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Als nächstes nochmal ein paar grundsätzliche und wichtige Punkte:


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